AKW Brunsbüttel

Foto: Steffen Papenbroock, Designagentur wedes

Anlage

 

Name der Anlage:

KKB – Kernkraftwerk Brunsbüttel

Bundesland:

Schleswig-Holstein

Betreiber:

Kernkraftwerk Brunsbüttel GmbH

Gesellschafter:

Vattenfall Europe Nuclear Energy GmbH (66,6%), E.ON Kernkraft GmbH (33,3%)

MitarbeiterInnen:

372 (Stand 09.01.2012) [1]

Reaktortyp:

Siedewasserreaktor, Baulinie 69

Leistung, elektrisch:

806 MW brutto, 771 MW netto

Baubeginn:

15. April 1970

Inbetriebnahme: Kommerzieller Leistungsbetrieb ab 09.02.1977

Entsorgungsvorsorge-nachweis:

„Die Entscheidung, ob Asse II künftig als reine Forschungsstätte oder auch als Bundesendlager zu nutzen ist, wird im Laufe des Jahres 1983 getroffen.“ (3. BG vom 11.08.1983) [2]

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (MELUR)

Umgebungs-
überwachung:

Helmholtz-Zentrum GKSS-Forschungszentrum Geesthacht GmbH

Besondere Gefahren:

Das AKW Brunsbüttel hat Schweißnähte an stark belasteten Stellen des Druckbehälters, die spröde werden könnten; der Reaktordruckbehälter und der Kühlkreislauf sind nur eingeschränkt auf Schäden zu überprüfen; die Stahl-Bodenwanne würde bei einer Kernschmelze binnen Minuten durchschmelzen (Betonfundamente neuerer Anlagen halten Tage). [3]

Meldepflichtige Ereignisse:

490 (Stand 30.04.2018) [4]

Das AKW Brunsbüttel hatte die längsten Stillstandszeiten. In seinen 34 Jahren Laufzeit stand der Reaktor insgesamt elf Jahre still.

Die spektakulärsten Störfälle ereigneten sich 1978, als Radioaktivität austrat weil die Betriebsmannschaft durch Manipulationen eine Reaktor-Schnellabschaltung verhinderte und 2001 als eine Knallgas-Explosion eine Rohrleitung beschädigte, die am Reaktordruckbehälter angeschlossen war. [5]

Stilllegung

 

Außerbetriebnahme:

21.07.2007 nach mehreren Störfällen abgeschaltet

Abschaltung endgültig:

06. August 2011 (per Atomgesetz)

Stilllegungsantrag:

01.11.2012: Antrag nach §7 Abs. 3 AtG auf vollständigen Rückbau, Bedingungen:

  • Inbetriebnahme von Schacht KONRAD nicht deutlich nach 2018
  • Etwaige Stilllegungsgenehmigung tritt erst nach ausdrücklicher Erklärung des Betreibers an die Stelle der bestehenden Genehmigungen. [6]

24.02.-24.04.2015: Auslegung der Stilllegungsunterlagen.
Gleichzeitig mit den Stilllegungsunterlagen wurden die Unterlagen für Errichtung und Betrieb eines Lagers für schwach- und mittelradioaktive Abfälle ausgelegt. [7]

06./07.07.2015 Erörterungstermin

Klage:

08.05.2018: Der Referentenentwurf der Bundesregierung zur 16. Novelle des Atomgesetzes sieht eine Entschädigung von Vattenfall für das Stromkontingent vor, das wegen der Stilllegung des AKW Brunsbüttel nicht mehr verstromt werden konnte. [8] Das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 06.12.2016 hatte die Einbeziehung von Brunsbüttel in eine Entschädigungsregelung nicht gefordert. [9]

Vattenfall klagt wegen der Stilllegung der AKW Krümmel und Brunsbüttel vor dem Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID) in Washington. Vattenfall fordert Schadensersatz in Höhe von ca. 4,7 Mrd. Euro. [10]

Rückbau:

Laut Vattenfall dauert der Rückbau 15 – 20 Jahre. [11]

Kosten:

Vattenfall rechnet mit Rückbaukosten zwischen einer halben und einer Milliarde Euro. [12]

Abfälle

 

Brennelemente:

Uran-Brennelemente, Hochabbrand-Uran-Brennelemente; Brunsbüttel besaß keine Genehmigung für den Einsatz von MOX-Brennelementen

Insgesamt sind 464 t SM angefallen. [13]

76 Brennelemente haben wegen der ungeplanten Stilllegung einen deutlich niedrigeren Abbrand. [14]

  • Abklingbecken:

Kapazität für 799 Brennelemente

Das Abklingbecken liegt wie im Block 4 im AKW Fukushima außerhalb des Containments unter dem Dach. Seit dem 21.11.2012 ist das Abklingbecken geräumt, die Brennelemente wurden aus Sicherheitsgründen in den Reaktordruckbehälter zurück gebracht.

  • Reaktordruck-
    behälter:

517 Brennelemente (90 t SM) [15]

  • Externes Lager:

Standort-Zwischenlager Brunsbüttel. Die Genehemigung für das SZL Brunsbüttel wurde gerichtlich aufgehoben. Trotzdem stellt die schleswig-holsteinische Landesregierung dem Betreiber eine Genehmigung für die Umlagerung der Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter in das SZL in Aussicht. [16]

Betriebsabfälle

 

  • Reaktorgebäude (Stand 23.03.2015): [17]

Fasslager (Gebäudeteil ZA 03.42): Belüfteter begehbarer Raum im Kontrollbereich, ca. 160 m³, das älteste Fass stammt von 1987

  • 18 Stahlfässer mit Verdampferkonzentrat
  • 5 Stahlfässer mit Filterkonzentrat

Feststofflager (Gebäudeteil ZC 01.03): Belüftete, begehbare Räume unterhalb der Heißen Werkstatt, ca. 100 m³. Kontinuierliche Messungen der Aerosole in der Raumluft, Dosisleistungsmessungen. Lagerung von Rohabfällen bis zu ihrer Konditionierung

  • brennbarer Mischabfall
  • 180-l-Fässer mit nicht brennbarem Mischabfall in Stahlfässern und Ballen.

Kavernen: Mit Betonriegeln abgedeckte, nicht begehbare und nicht belüftete Lagerstätten in 7 m Tiefe. Keine spezifische Raumüberwachung.

Kaverne 1, ca. 65 m³:

  • 88 Stahlfässer mit Verdampferkonzentrat
  • 32 Stahlfässer mit Filterkonzentrat

Kaverne 2, ca. 65 m³:

  • 88 Stahlfässer mit Verdampferkonzentrat
  • 30 Stahlfässer mit Filterkonzentrat

Kaverne 3, ca. 65 m³:

  • 71 Stahlfässer mit Verdampferkonzentrat
  • 3 200-l-Fässer mit "sonstigem Abfall"

Kaverne 4, ca. 65 m³:

  • 67 Stahlfässer mit Verdampferkonzentrat
  • 3 Stahlfässer mit Filterkonzentrat

Kaverne 5, ca. 71 m³:

  • 6 Gebinde mit Kerneinbauten
  • 8 Lagergestelle
  • 21 Fässer aus Mol mit betonierter Asche, Dezember 2014 ausgelagert

Kaverne 6, ca. 393 m³:

  • 18 Stahlfässer mit Verdampferkonzentrat
  • 203 Stahlfässer mit Filterkonzentrat
  • 23 Fässer mit Material aus Umbaumaßnahmen
  • Kerneinbauten (Wasserdampfabscheider)

Lager für Rückstellproben (ZU 07.14 und ZE 04.16): Begehbare und belüftete Räume, oberirdisch, Tresore und abgeschlossene Schränke, ca. 3 m³, temporäre Lagerung von Rückstellproben und diversen Probeentnahmegefäßen aus Entsorgungskampagnen.

22.06.1976 1. Betriebsgenehmigung, enthielt auch die Genehmigung für Fasslager und Feststofflager. Für alle Lager - Fasslager und Feststofflager inklusive Kavernen - gibt es keine max. Aktivitäts-, Volumen- oder Mengenbegrenzung.

Die Abfälle sollen in das neu zu errichtende LasmA Brunsbüttel umgelagert werden.

  • Externes Lager

Transportbereitstellungshallen I und II

Inventar gesamt am Standort (31.12.2014): [15]

Rohabfälle und vorbehandelte Abfälle

  • Feste Abfälle, anorganisch: 137,7 t
  • Feste Abfälle, organisch: 65,7 t
  • Flüssige Abfälle, anorganisch: 31,3 t
  • Mischabfälle: 21,0 t

Konditionierte Abfälle

  • 200-l-Fässer: 2 (1 m³)
  • 280-l-Fässer: 67 (26 m³)

Abfälle in Endlagergebinden

  • Betonbehälter Typ I: 12 (14 m³)
  • Betonbehälter Typ II: 550 (715 m³)
  • Container Typ IV: 19 (141 m³)
  • Container Typ V: 41 (447 m³)
  • Container Typ VI: 125 (675 m³)
  • Gussbehälter Typ II: 167 (217 m³)
  • Meldepflichtige Ereignisse:
    [18]

 

15.05.1979: Austritt von Verdampferkonzentraten aus einem Fass

27.10.1979: Leckage aus einem Verdamfperkonzentrat-Fass

15.12.2011: Bei der Entnahme eines Fasses aus dem Kavernenlager zum Zweck der Umfüllung wurden starke Korrosionsschäden entdeckt. Der Betreiber informierte die Aufsichtsbehörde nicht, sondern der TÜV Nord (10.01.2012). Erst am 12.03.2012 wird der Vorfall öffentlich. Die Kavernen wurden mit einer Betonabdeckung versiegelt, neue Messanlagen installiert.

Nachdem der schleswig-holsteinsiche Umweltminister eine Inspektion der Fässer angeordnet hatte, sind bisher 573 der insgesamt 631 in den Kavernen lagernden Fässer untersucht worden. 57 Fässer in Kaverne sechs können wegen der engen Lagerung nicht von einer Kamera inspiziert werden. 154 der untersuchten Fässer sind stark beschädigt: wanddurchdringende Korrosion, Austritt des Fassinhaltes, lose Deckel u.a. [19]

Februar 2016: Beginn der Bergung. Die Bergung aller Fässer dauert ca. drei Jahre. Es ist geplant, die Fässer in einer speziellen Anlage erst nachzutrocken, um die Restfeuchte zu reduzieren. Danach werden die radioaktiven Konzentrate aus den Fässern abgesaugt und in endlagergerechte Container gepumpt. [20]

Verbringung von Abfällen:

  1. Wiederaufarbeitung: 1.699 Brennelemente (296 t SM) wurden nach La Hague (F) verbracht. [21]
  2. ASSE II: 809 Gebinde [22]
  3. Morsleben: 1.270 m³ [23]
  4. Fasslager Gorleben: (Stand 31.12.2012) [24]
  • 200-l-Fässer: 198
  • 280-l-Fässer: 34
  • 400-l-Fässer: 12
  • Container Typ III: 1
  • Container Typ V: 11

Transporte

 

  • zur Anlage:

Extern konditionierte schwach- und mittelradioaktive Abfälle, Strahlenquellen

  • von der Anlage:

Radioaktive Rohabfälle, konditionierte radioaktive Abfälle, Strahlenquellen, später ggfs. Großkomponenten

  • Gleisanschluss:

Vorhanden

Adressen

Betreiber:
Kernkraftwerk Brunsbüttel GmbH & Co OHG, Postfach 1227, 25535 Brunsbüttel
Behörden:

Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume, Mercatorstraße 3, 24106 Kiel, Tel.: 0431 / 988-0, Fax: 0431 / 988-7239, internetredaktion(at)melur.landsh.de, www.schleswig-holstein.de

Helmholtz-Zentrum Geesthacht GmbH, Max-Planck-Straße 1, 21502 Geesthacht, 04152 / 87-0, Fax: 04152 / 87-1403, contact(at)hzg.de, www.hzg.de

KritikerInnen:
Brokdorf akut, c/o Karsten Hinrichsen, Dorfstraße 15, 25576 Brokdorf, info(at)brokdorf-akut.de

Quellen

[1] Schleswig-Holsteinischer Landtag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): "Stilllegung der AKW Krümmel und Brunsbüttel", Drucksache 17/2133, 09.01.2012

[2] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[3] "Forscher warnen vor porösen Altmeilern", spiegel online, 23.09.2010

[4] bfe.de: Kernkraftwerke in Deutschland: Meldepflichtige Ereignisse seit Inbetriebnahme

[5] wikipedia.org: Kernkraftwerk Brunsbüttel (zuletzt abgerufen 16.11.2017)

[6] Kernkraftwerk Brunsbüttel GmbH: Antrag nach §7 Abs. 3 AtG auf Stilllegung und Abbau, 01.11.2012

[7] schleswig-holstein.de: Öffentlichkeitsbeteiligung Kernkraftwerk Brunsüttel (KKB)

[8] Deutscher Bundestag: Gesetzentwurf der Bundesregierung "Entwurf eine 16. Gesetzes zur Änderung des Atomgesetzes (16AtGÄndG), Bearbeitungsstand 08.05.2018

[10] Deutscher Bundestag, Antwort auf die Kleine Anfrage (Linke): "Vattenfall-Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland", Drucksache 18/3721, 13.01.2015

[11] Vattenfall.de: "Neue Phase für Rückbau des Kernkraftwerks Brunsbüttel", 13.04.2015

[12] "AKW Brunsbüttel: Vattenfalls Bergungspläne", shz.de, 19.05.2014

[13] Wolfgang Neumann: Bestandsaufnahme Atommüll 2013 in: BI Lüchow-Dannenberg „Zur Sache Nr.2“, August 2013, S. 24

[14] ESK-Stellungnahme: Anforderungen an bestrahlte Brennelemente aus entsorgungstechnischer Sicht, 27.05.2011

[15] Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: „Verzeichnis radioaktiver Abfälle – Bestand zum 31. Dezember 2014 und Prognose“

[16] Ministerium für Energiewirtschaft, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume Schleswig Holstein (MELUR): Antwortschreiber zur trockenen Aufbewahrung von Brennelementen, 15.07.2016

[17] "Vermeidung von Korrosionsschäden an Fässern für nicht wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle in Schleswig-Holstein einschließlich Lagerstättenkataster", Bericht der Arbeitsgruppe "Vermeidung von Schäden bei der Lagerung von Atomabfällen" bei der schleswig-holsteinischen Atomaufsicht, 23.02.2015

[18] Deutscher Bundestag: Antwort auf die Kleine Anfrage (Grüne): „Atommüll – Fragen zur Lagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abfällen und diesbezüglichen Korrosionsproblemen (verrostete Atommüllfässer)“, Drucksache 17/9592, 09.05.2012

[19] "Bergung der Atommüllfässer dauert drei Jahre", ndr.de, 09.02.2015

[20] "Atommüll: Bergung in Brunsbüttel läuft nach Plan", ndr.de, 14.05.2016

[21] Schleswig-Holsteinischer Landtag: Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Angelika Beer: "Zwischenlagerung von Castor-Behältern in Schleswig-Holstein", Drucksache 18/765, 02.05.2013

[22] Greenpeace: „Tabelle Asse-Inventar“

[23] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Kotting-Uhl, Drucksache 16/12182 vom 06.03.2012, S. 60 ff.

[24] Deutscher Bundestag: Antwort auf die schriftliche Anfrage der Abgeordneten Lötzer, Drucksache 17/14270, 28.06.2013, S. 62 ff.