Wismut GmbH - Seelingstädt

Absetzanlage Culmitzsch

Foto: Michael Beleites (1990)

Anlage

 

Name der Anlage:             

Aufbereitungsanlage Seelingstädt (Objekt 102, ab 1968 Aufbereitungsbetrieb 102)

Bundesland:

Thüringen

Betreiber:

Wismut GmbH, vorher SAG/SDAG Wismut

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde:

Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz Thüringen

Inbetriebnahme:

1960

Betriebsteile:

Größter Aufarbeitungsanlage der SDAG Wismut

Ausgangssituation 1990:

  • ca. 83 ha Werksgelände, insgesamt 300 Gebäude. [1]
  • Absetzanlage Trünzig ausgeerzter Tagebau; in Betrieb 1960 - 1967; Becken A 13 Mio m.³ Schwefelsäurelaugungs-Rückstände, Becken B 8 Mio m³ Soda-Alkalische Rückstände. Keine strahlenschutzmäßige Abdeckung der seit Jahrzehnten stillgelegten Absetzbecken.  [2]
  • Absetzanlage Culmitsch ausgeerzter Tagebau; in Betrieb 1967 - 1991; Becken A 60 Mio m.³ Schwefelsäurelaugungs-Rückstände, Becken B 30 Mio m³ Soda-Alkalische Rückstände. [2]
  • Gesamtfläche beider Absetzanlagen ca. 350 ha, 1990 mir rd. 2,4 Mio. m³ Wasser bedeckt. [1]
  • 9 Abraumhalden, davon waren vier (Waldhalde, Jashalde, Lokhalde und Südwesthalde) mit einem Gesamtvolumen von 55 Mio. m³ 1991 noch im Besitz der Wismut und wurden saniert. [1]
  • Ableitung der Abwässer aus dr Aufbereitungsanlage in den Pöltzschbach. [2]
  • Ableitung der Sickerwässer aus den Absetzbecken in den Fuchsbach, der in die Weiße Elster fließt. [2]

Verarbeitung:

110 Mio. t aus allen Lagerstätten, vorwiegend aus Ronneburg. Dabei wurden 86.273 t Urankonzentrat (Yellow Cake) mittels soda-alkalischer oder schwefelsaurer Laugung produziert.

Verbringung des Urankonzentrats:

In die UdSSR

Stilllegung

 

Betriebsende:

Das letzte Fass mit Yellow Cake wurde 1996 abgefüllt.

Sanierung:

Aufbereitungsbetrieb: [1]

  • 1997-2003: Abriss aller 300 Gebäude mit Ausnahme des Laborgebäudes. Dabei fielen rund 60.000 t Schrott und 230.000 t Bauschutt an
  • Bodenaustausch in „signifikant kontaminierten“ Bereichen
  • Verkauf und gewerbliche Nutzung von "unbelasteten Teilen" des Betriebsgeländes

Halden:  [1]

  • vollständiger Abtrag der Lokhalde zur Konturierung und Endabdeckung der Absetzanlagen 
  • teilweiser Abtrag der Wald- und Südwesthalde zur Konturierung und Endabdeckung der Absetzanlagen
  • 2019: Eine Böschung der Südwesthalde wurde durch ca. 70.000 m³ Materialentnahme abgeflacht werden da sie nicht als langfristig standsicher eingeschätzt wird. Das abgetragene Material wurde in der IAA Culmitzsch eingebaut. [3]
  • Ausschließend sollen die Wald- und die Südwesthalde wiederaufgeforstet werden.

Wasserbehandlungsanlage Seelingstädt: [1]

  • bis 2000 wurden die Frei- und Sickerwässer in der ehemaligen Uranerzaufbereitungsanlage behandelt
  • Inbetriebnahme WBA Seelingstädt 2001
  • Kapazität der Anlage 300 m³/h
  • Kalkfällverfahren
  • Gereinigte Wässer werden über den Culmitzschbach in die Weiße Elster eingeleitet
  • Rückstände werden immobilisiert und im Becken B der Absetzanlage Culmitzsch eingelagert

Absetzanlagen Trünzig: [1]

  • 1990/91: Zwischenabdeckung trocken gefallener Spülstrände als Sofortmaßnahme zur Gefahrenabwehr, um Schadstoffausträge durch verweheten Staub zu reduzieren.
  • Abpumpen der Freiwässer
  • 1995: Abschluss der Zwischenabdeckung Becken A Absetzanlage Trünzig
  • 2001: Abschluss der Zwischenabdeckung Becken B Absetzanlage Trünzig
  • 2001 - 2014 Konturierung und Endabdeckung mit ca. 6,5 Mio m³ Haldenmaterial. Die "Plateaufläche wurde so geformt, dass die Oberflächenwässer aus Becken A in Richtung Culmtzschauen und aus Becken B in Richtung Finkenbach abfließen können."

 Absatzanlage Culmitzsch

  • 1990/91: Zwischenabdeckung trocken gefallener Spülstrände als Sofortmaßnahme zur Gefahrenabwehr, um Schadstoffausträge durch verweheten Staub zu reduzieren.
  • Abpumpen der Freiwässer
  • 2006: Abschluss der Zwischenabdeckung Becken B Absetzanlage Culmitzsch
  • 2007 Beginn der Konturierung
  • "Am Ende soll auf der Plateaufläche der Absetzanlage Culmitzsch ein durch Hügel und Senken gegliedertes Gelände entstehen, das nach Norden entwässert." [1]
  • 2015 Beginn der Endabdeckung von Becken B
  • 2019: Anbrigung von 7.500 Vertikaldrains mit einer Gesamtlänge von mehr als 200 km im Zentrum des Beckens A um die Tailings weiter zu entwässern. [3]

Ende der Sanierung:

Sanierung der Absetzanlage Culmitzsch soll 2028 abgeschlossen sein. [3]

Dem schließen sich Langzeitaufgaben wie die Wasserbehandlung und Umweltüberwachung an.

Die Absetzanlagen Trünzig mit ca. 144 ha und Culmitzsch mit ca. 299 ha werden in ihrer Nutzung dauerhaft eingeschränkt sein. [4]

Besondere Gefahren:

Der Abstand dieser größten radioaktiven Deponie Deutschlands zum nächsten Dorf beträgt 200 m.

DieGesundheit der  Bewohner*innen wurden während des Betriebes durch radioaktive Stäube, radioaktive Gase und der Schwefelsäure aus der Aufbereitungsanlage in Seelingstädt schwer geschädigt, viele bekamen Krebs. [5]

Durch Starkregenereignisse kam es während der Sanierungsarbeiten bei den Absetzbecken zu Erosionserscheinungen. Immer wieder wurden das Abpumpen der Freiwässer durch Starkregen konterkariert.

Der kirchliche Umweltkreis Ronneburg fordert dichteres Material als vorgesehen für die Abdeckung der Tailings. So könne das Potenzial der weiteren Versickerung radioaktiver Wässer jährlich um mindestens 90 Prozent verringert werden. [6]

Abfälle

 

Halden:

3 Halden mit ca. 32 Mio. m³ Material werden nach Abschluss der Arbeiten vor Ort verbleiben. Dazu kommen 5 Halden, die nicht im Besitz der Wismut GmbH sind.  

Absetzanlage Trünzig:

19 Mio m³ Tailings auf 115 ha

Absetzanlage Culmitzsch:

  • 85 Mio m³ Tailings auf 234 ha sowie Rückstände aus der Dekontamination von Schrott
  • radioaktiv kontaminierter Schrott aus dem Rückbau der übertägigen Anlagen wurden in Kassetten auf der Absetzanlage eingebaut und mit Beton vergossen
  • Radioaktiv kontaminierter Bauschutt aus dem Rückbau der übertägigen Anlagen
  • Radioaktive Rückstände aus der Wasserreinigungsanlage Seelingstädt
  • Kontaminierter Boden aus dem Anlagenbereich

Verbringung von Abfällen:

  1. Culmitzschbach / Weiße Elster: kontaminierte, vorbehandelte Wässer. 
  2. Freigabe Abrissmaterial: Dekontaminierter, freigemessener Schrott zur Einschmelzung. "Der Stahlschrott aus Strahlenschutzbereichen dagegen wurde nach einem eigens für Wismut entwickelten Verfahren auf seine Oberflächenaktivitäten-Gesamtalphaaktität hin geprüft. Bei Oberflächenaktivitäten unter der Freigabegrenze von 0,5 Bequerel pro Quadratzentimeter wurde der Schrott zur Einschmelzung freigegeben. Große Teile des kontaminierten Stahlschrotts konnten im Sandstrahlverfahren dekontaminiert und wieder in den Wirtschaftskreislauf zurückgeführt werden." [1]

Adressen

 

Betreiber:

Wismut GmbH
Jagdschänkenstraße 29, 09117 Chemnitz
Tel.: 0371 / 8120-0, Fax: 0371 / 81 20-584
info(at)wismut.de, www.wismut.de

Kontakt vor Ort: Postfach 41, 07576 Ronneburg, Tel.: 036602 / 51-3000, Fax: 036602 / 51-3066

Behörden:

Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz Thüringen
Göschwitzer Str. 41, 07745 Jena
Tel.: 0361 57 3942 000, Fax: 0361 57 3942 222
poststelle@tlubn.thueringen.de, www.tlubn.thueringen.de

KritikerInnen:

Kirchlicher Umweltkreis Ronneburg, c/o Frank Lange, Tel.: 0173 / 5775674

Quellen

[1] Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: Wismut: Bergbausanierung - Landschaften gestalten und erhalten, Juli 2015

[2] Michael Beleites: Altlast Wismut, 1992

[3] Wismut GmbH: Umweltbericht 2019

[4] Deutscher Bundestag, Antwort auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Ralph Lenkert, Dr. Barabara Höll, Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE: Stand der Sanierungsarbeiten bei der Wismut GmbH, Kosten, Einnahmen, Umweltbelastungen und sonstige Schäden, 17/6237, 21.06.2011

[5] "Schwarz heißt Gefahr", DER SPIEGEL 34/1991

[6] Frank Lange: "Die Endabdeckung Deutschlands größter radioaktiver Deponie steht vor der Genehmigung", Strahlentelex Nr. 630 - 631