Laufzeiten deutscher Atomkraftwerke

VAK-Kahl: Der erste Leistungsreaktor der BRD

VAK-Kahl: Der erste Leistungsreaktor der BRD Von Apfel3748 - Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8318040

Ende diesen Jahres gehen die letzten drei Atomkraftwerke in Deutschland vom Netz. Insgesamt haben in Deutschland 36 Reaktoren an 22 Standorten kommerziell Strom ins Netz gespeist. Der erste Leistungsreaktor war das Versuchsatomkraftwerk (VAK) Kahl, das am 1. Februar 1962 seinen Betrieb im Bayerischen Karlstein aufnahm. Sieben Atomkraftwerke gingen erst nach der Katstrophe von Tschernobyl (1986) in Betrieb: THTR Hamm-Uentrop, AKW Mülheim-Kärlich, AKW Brokdorf, AKW Ohu/Isar-2, AKW Emsland (Lingen-2), AKW Neckarwestheim 2 und AKW Greifswald 5.

Auch die Forschungszentren Jülich und Karlsruhe betrieben nicht nur Forschungs- sondern auch Leistungsreaktoren die ihren Strom kommerziell ins Netz einspeisten. In Jülich wurde der Hochtemperaturreaktor AVR Jülich betrieben, in Karlsruhe der Mehrzweckforschungsreaktor MZFR und der Schnelle Brutreaktor KNK II.

Fünf Reaktoren hatten nur eine sehr kurze Laufzeit:

  • Der Heißdampfsiedewasserreaktor HDR Großwelzheim wurde Reaktor bereits eineinhalb Jahre nach der ersten Netzsynchronisation wieder abgeschaltet. Die eigens für diesen Reaktortyp entwickelten Brennelemente mit einem speziellen Überhitzerteil wiesen konstruktive Mängel auf, so dass sie einen Betrieb bei voller Leistung nicht erlaubt hätten.
  • Das AKW Niederaichbach, ein schwerwassermoderierter Druckröhrenreaktor mit CO2-Gaskühlung und Einsatz von Natururan statt angereichertem Uran hatte erhebliche technische Probleme und war sogar insgesamt nur 18 Vollast-Tage am Netz.
  • Der Hochtemperaturreaktor THTR Hamm-Uentrop weist in seiner kurzen Betriebszeit eine lange Liste von zum Teil erheblichen Störfällen auf und wurde 16 Monate nach Aufnahme des kommerziellen Leistungsbetriebs endgültig abgeschaltet. Den vermutlich schwersten Störfall am 04.05.1986 meldete der Betreiber nicht und hoffte, die freigesetzte Strahlung würde durch die Radioaktivität aus Tschernobyl unbemerkt bleiben.
  • Das AKW Mülheim-Kärlich wurde anders gebaut als genehmigt und 13 Monate nach Aufnahme des kommerziellen Leistungsbetriebs stillgelegt. Im September 1988 hob das Bundesverwaltungsgericht die erste Teilerrichtungsgenehmigung wieder auf. Der Reaktor wurde sofort abgeschaltet und ging nicht wieder ans Netz. Trotz fehlender Genehmigung wurde dem AKW Mülheim-Kärlich im rot-grünen Atomkonsens von 2000 quasi virtuell eine Restlaufzeit von 10 Jahren zugestanden und die „Reststrommenge“ auf andere AKW übertragen.
  • Der Block 5 des AKW Greifswald, dessen Bau bereits im Dezember 1976 begann, ging im April 1989 zum ersten Mal ans Netz, speiste ab 1. November 1989 seinen Strom ins Netz und wurde bereits 23 Tage später endgültig stillgelegt.

Auch das AKW Würgassen wurde vorzeitig stillgelegt. 1992 wird erstmals bekannt, dass Haarrisse im Kühlrohrsystem aufgetreten sind. Im Zuge der Jahresrevision 1994 werden weitere Haarrisse im Kernmantel am Reaktorkern entdeckt, der Reaktor nicht wieder in Betrieb genommen.

Nach der deutsch-deutschen Vereinigung wurden alle Reaktoren der DDR, die fünf Blöcke in Greifswald und der Reaktor im brandenburgischen Rheinsberg, stillgelegt.

Sechs Reaktoren - AKW Biblis A, AKW Biblis B, AKW Ohu/Isar 1, AKW Esenshamm, AKW Neckarwestheim 1 und AKW Philippsburg 1 - wurden nach der Katastrophe von Fukushima infolge eines Moratoriums der Bundesregierung am 14. März 2011 abgeschaltet. Das AKW Brunsbüttel war bereits seit Juli 2007 und das AKW Krümmel seit Juli 2009 infolge mehrerer Störfälle abgeschaltet gewesen. Alle acht Reaktoren wurden per Atomgesetzänderung vom 6. August 2011 endgültig außer Betrieb genommen.

Im Überblick

  Baubeginn 1. Netz-synchronisation kommerzieller Betrieb Abschaltung
VAK Kahl 01.07.1958 17.06.1961 01.02.1962 25.11.1985
Gundremmingen A 12.12.1962 01.12.1966 12.04.1967 13.01.1977
HDR Großwelzheim 01.01.1965 14.10.1969 02.08.1970 20.04.1971
MZFR Karlsruhe 01.12.1961 09.03.1966 19.12.1966 03.05.1984
AKW Rheinsberg 01.01.1960 06.05.1966 10.10.1966 01.06.1990
AVR Jülich 01.08.1961 17.12.1967 19.09.1969 31.12.1988
AKW Lingen 01.10.1964 01.07.1968 01.10.1968 05.01.1977
AKW Obrigheim 15.03.1965 29.10.1968 31.03.1969 11.05.2005
AKW Würgassen 26.01.1968 18.12.1971 11.11.1975 26.08.1994
AKW Stade 01.12.1967 29.01.1972 19.05.1972 14.11.2003
AKW Niederaichbach 01.06.1966 01.01.1973 01.01.1973 21.07.1974
AKW Greifswald 1 01.03.1970 17.12.1973 12.07.1974 14.02.1990
AKW Biblis A 01.01.1970 25.08.1974 26.02.1975 14.03.2011
AKW Greifswald 2 01.03.1970 23.12.1974 16.04.1975 14.02.1990
AKW Biblis B 01.02.1972 25.04.1976 31.01.1977 14.03.2011
AKW Neckarwestheim 1 01.02.1972 03.06.1976 01.12.1976 14.03.2011
AKW Brunsbüttel 15.04.1970 13.07.1976 09.02.1977 21.07.2007
AKW Greifswald 3 01.04.1972 24.10.1977 01.03.1978 28.02.1990
AKW Ohu 1 (Isar 1) 01.05.1972 03.12.1977 21.03.1979 14.03.2011
KNK II Karlsruhe 01.09.1974 09.04.1978 03.03.1979 23.08.1991
AKW Esenshamm (Unterweser) 01.07.1972 29.09.1978 06.09.1979 14.03.2011
AKW Phillipsburg 1 01.10.1970 05.05.1979 26.03.1980 14.03.2011
AKW Greifswald 4 01.04.1972 03.09.1979 01.11.1979 22.07.1990
AKW Grafenrheinfeld 01.01.1975 30.12.1981 17.06.1982 27.06.2015
AKW Krümmel 05.04.1974 28.09.1983 28.03.1984 04.07.2009
AKW Grundremmingen B 20.07.1976 16.03.1984 19.07.1984 31.12.2017
AKW Grohnde 01.06.1976 05.09.1984 01.02.1985 31.12.2021
AKW Grundremmingen C 20.07.1976 02.11.1984 18.01.1985 31.12.2021
AKW Phillipsburg 2 07.07.1977 17.12.1984 18.04.1985 31.12.2019
THTR Hamm-Uentrop 03.05.1971 16.11.1985 01.06.1987 29.09.1988
AKW Mülheim-Kärlich 15.01.1975 14.03.1986 18.08.1987 09.09.1988
AKW Brokdorf 01.01.1976 14.10.1986 22.12.1986 31.12.2021
AKW Ohu 2 (Isar 2) 15.09.1982 22.01.1988 09.04.1988 31.12.2022
AKW Emsland (Lingen 2) 10.08.1982 19.04.1988 20.06.1988 31.12.2022
AKW Neckarwestheim 2 09.11.1982 03.01.1989 15.04.1989 31.12.2022
AKW Greifswald 5 01.12.1976 24.04.1989 01.11.1989 24.11.1989