Fachportal und Datensammlung

Das Fachportal atommuellreport.de sichert das Wissen über Atommüll und seine Gefahren, um es über viele Jahrzehnte zu erhalten. In der Rubrik "DATEN" werden Atomanlagen beschrieben, in denen Atommüll produziert wird oder lagert. In der Rubrik "THEMEN" werden die diversen Themen rund um den Atommüll aufbereitet. Gleichzeitig will der Atommüllreport die Fachdebatte fördern und die nächste Generation für die Probleme interessieren. Mehr dazu unter "PROJEKTE".

Sommerakademie 16.-20.08.2021 in Wolfenbüttel

Ein Endlager in Deiner Nachbarschaft?
Stell Dir vor in Deiner Nachbarschaft soll ein Endlager für Atommüll gebaut werden. Ist es wirklich so sicher wie behauptet? Was, wenn nicht? Genau für diesen Fall brauchst Du Expertise, Fachwissen und Ahnung wie die Politik in dieser Situation funktioniert!

Für 2021 plant der Atommüllreport wieder eine Sommerakademie zum Thema „Atomares Erbe“ – Herausforderungen für die nächsten Generationen". Die Veranstaltung ist als reine Präsenzveranstaltung geplant und soll vom 16.-20. August in Wolfenbüttel stattfinden. Weitere Informationen

Zwischenbericht Teilgebiete

Karte Zwischenbericht Teilgebiete

Quelle: BGE

Am 28.09.2020 veröffentlichte die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) GmbH den Zwischenbericht Teilgebiete. Er weist 46 %  der Fläche Deutschlands als ungeeignet für die dauerhafte tiefengeologische Lagerung radioaktiver Abfälle aus. Das sind Gebiete, die laut Standortauswahlverfahren vulkanische oder seismische Aktivitäten, natürliche oder durch bergbauliche Aktivitäten hervorgerufene Störungszonen oder junges Grundwasser aufweisen. Oder es sind Gebiete, in denen das gewünschte Wirtsgestein nicht vorhanden ist oder das Wirtsgestein die Mindestanforderungen nicht erfüllt. Von den mehr als 400 untersuchten Salzstöcken in Norddeutschland sind noch 60 im Rennen. In den restlichen Gebieten sind die gewünschten Lagermedien, Salz,- Ton- oder Kristallingestein vorhanden.

Mehr sagt der Bericht nicht aus. Schon gar nicht, dass  "54% der Bundesrepublik Deutschland als Endlager für radioaktive Abfälle geeignet" seien, wie Bundesumweltministerin und BGE gerne glauben machen möchten. Über große Teile der ausgewiesenen Gebiete ist wenig bekannt. Die von den geologischen Landesämtern übermittelten Daten weisen wohl eine sehr unterschiedlicher Güte und Tiefe aus.

Über weite Flächen gibt es keine Bohrungen, seismischen Untersuchungen oder andere belastbare Datenerhebungen. Für sie hat die BGE nicht die realen Verhältnisse vor Ort sondern einfach günstige Referenzdaten zugrundegelegt. Das heißt, nur beim Vorhandensein klarer Erkenntniss oder Daten, dass die jeweilige Mindestanforderung nicht erfüllt werden kann oder dies zweifelhaft ist, wurde ein Gebiet ausgeschlossen. In allen anderen Fällen wurde das Gebiet als Teilgebiet aufgenommen. Das mag als Methode zulässig sein, um nicht schon in dieser Phase mögliche günstige Teilgebiete auszuschließen. Es rechtfertigt aber nicht die politische Aussage, dass 54 % von Deutschland für die Endlagerung geeignet seien.

ASSE II, Morsleben und Schacht KONRAD

Unverständlich ist die unterschiedliche Behandlung der tiefengeologischen Atommüllprojekte ASSE II und Morsleben auf der einen und Schacht KONRAD auf der anderen Seite. Für die ASSE II wurde ein Gebiet von 4 km² (Salzumhüllendes plus Sicherheitsbereich im Deckgebirge) und für Morsleben ein Gebiet von 11 km² (Schutzbereich der Dauerbetriebsgenehmigung) ausgeschlossen, also der engere Bereich um die Atommülllager. Im Falle Schacht KONRAD umfasst das Ausschlussgebiet  demgegenüber 657 km² (Modellgebiet für Grundwasserbewegungen im Bereich des geplanten Endlagers KONRAD). Begründung der BGE: "Dieses Vorgehen ist darin begründet, dass die für eine Erkundung von Standortregionen oder Standorten erforderlichen Maßnahmen Rückwirkungen auf die Ergebnisse der Sicherheitsuntersuchungen Konrad haben können. Dies betrifft insbesondere Fragen der Langzeitsicherheit, die neu bewertet werden müssten. Dies erhöht auch für ein Endlager für hochradioaktive Abfälle die Komplexität der Sicherheitsuntersuchungen und späteren periodischen Sicherheitsüberprüfungen deutlich." [BGE 2020, S.67]

Im Falle von Schacht KONRAD drückt sich die BGE um eine tiefergehende Untersuchung des betorffenen Gebietes und eine Neubewertung des Langzeitsicherheitsnachweises KONRAD. Es würde sich dann nämlich sehr schnell erweisen, dass weite Flächen schon alleine aufgrund des Vorhandenseins hunderter alter Bohrungen und bergbaulicher Tätigkeiten gar nicht für eine tiefengeologische Lagerung geeignet wären. Das hat man im Falle des Atommülllagers KONRAD aber entgegen vieler Einwendungen immer ignoriert.

Im Falle von ASSE II und Morsleben stellt sich andersherum die Frage, wieso hier kein Modellgebiet für einen Langzeitsicherheitsnachweis zugrunde gelegt wird und analog zu Schacht KONRAD kein größeres Gebiet aisgeschlossen worden ist. Denn auch bei diesen beiden Atommülllagern würde die Komplexität der Sicherheitsuntersuchungen und späteren periodischen Sicherheitsüberprüfungen für das Lager für hochradioaktive Abfälle deutlich erhöht werden.

Kritische Prüfung kaum möglich

Eine kritische Prüfung der Ergebnisse des Zwischenberichtes ist kaum möglich. Der Bericht ist auch für geübte Leser*innen nicht nachvollziehbar aufbereitet. Aktuell sind nur knapp drei Prozent der Daten einsehbar, tausende von Seiten sind geschwärzt. Am 4. Februar 2021 beginnt die erste Beratungssitzung der Fachkonferenz Teilgebiete. Sie soll den Zwischenbericht erörtern und eine Stellungsnahme dazu abgeben. Die BGE muss sich mit den Beratungsergebnisse befassen, kann aber alle Vorschläge und Änderungswünsche ablehnen.

Bei der großflächigen Gebietsausweisung bleibt völlig offen, wie die BGE bis zum Ende der Phase 1 methodisch begründet zu Reduzierung der Teilgebiete kommen will. 

Links zum Zwischenbericht und Reaktionen

Seite der BGE zum Zwischenbericht Teilgebiete

Zwischenbericht Teilgebiete als PDF

Stellungnahme der Atommüllkonferenz

Gemeinsame Presseerklärung von BUND, .ausgestrahlt und BI Lüchow-Dannenberg

Gemeinsame Presseerklärung von der Arbeitsgemeinschaft Schacht KONRAD und der BISS-Braunschweig

Presseerklärung der IPNNW

Online-Veranstaltungsreihe: Atommüll - Über GAUkeleien und KERNkompetenzen

2022 sollen die letzten Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet werden. Doch der Ausstieg ist noch lange nicht das Ende der Geschichte. Wie kann der Atommüll über mindestens eine Million Jahre sicher gelagert werden? Der Atommüllreport hat im Sommer 2020 eine Online-Veranstaltungsreihe durchgeführt. Die Veranstaltungen wurden aufgezeichnet. Sie erfahren von ausgewiesenen Expert*innen Wissenswertes über die Wirkung radioaktiver Strahlung, die Probleme bei der Atommülllagerung und der Standortsuche für ein tiefengeologisches Lager. Anhand der existierenden Projekte ASSE II, Schacht KONRAD und Gorleben wird deutlich, wie es nicht funktioniert. Weitere Themen sind die Zwischenlagerung, der Uranabbau und die Kosten der Atommülllagerung. Themen, Präsentationen und Videos

Archiv Deutsches Atomerbe

Mehr als 60 Jahre Atomforschung und Atomenergienutzung in Deutschland und fast ebenso lange dauert die gesellschaftliche Auseinandersetzung darum. Die Anti-Atom-Bewegung hat Geschichte geschrieben. Doch wer bewahrt sie auf? Wer macht sie für die nächste Generation zugänglich? Und wer bereitet sie historisch auf? Zu diesem Zweck wurde am 25. Oktober 2018 der Verein "Archiv Deutsches Atomerbe" in Braunschweig gegründet. DAs Archiv sammelt alles was mit der Atomenergienutzung und der Atommüllproduktion in Deutschland und darüber hinaus zusammenhängt, wissenschaftliche Gutachten, Betreiberinformationen, politische Schriften, aber vor allem alle Unterlagen zur Geschichte der Anti-Atom-Bewegung in Deutschland. 

Informationen zu Kosten und Finanzierung aktualisiert und ergänzt

Nachdem bereits die Atomkraftwerksbetreiber ihre finanziellen Risiken im Umgang mit den radioaktiven Abfällen erfolgreich auf den Staat überwälzt haben, will nun auch der Siemens-Konzern die Verpflichtungen für die Behandlung und Lagerung seiner radioaktiven Altlasten loswerden und führt dazu bereits Gespräche mit der Bundesregierung. Wir haben die Informationen zum Thema Kosten, zum Entsorgungsfonds, den Rückstellungen, der Geschichte der Finanzierung und zur Haftung und Deckungsvorsorge umfassend aktualisiert und ergänzt. Zusätzlich gibt es einen Überblick über die Situation in FinnlandSchweden und der Schweiz.

Stilllegung und Rückbau

An vielen Standorten in Deutschland laufen derzeit Genehmigungsverfahren für die Stilllegung und den Abriss der Atomkraftwerke. Mehr zum Stand der Rückbauprojekte, zu den einschlägigen Unterlagen und dem Forderungskatalog der Atommüllkonferenz.

Konditionierung radioaktiver Abfälle

Radioaktive Abfälle werden durch die Konditionierung in einen chemisch stabilen und in Wasser nicht oder nur schwer löslichen Zustand überführt und in ihrem Volumen reduziert. Mehr zu den Verfahren, wo konditioniert wird und welche Firmen daran verdienen.

Zwischenlagerung

Eines ist sicher: Die radioaktiven Abfälle werden noch lange in Zwischenlagern aufbewahrt werden müssen. Bestrahlte Brennelemente und verglaste hoch radioaktive Abfälle lagern derzeit in 38 Lagerstätten (Nass- und Trockenlager) in Deutschland. Ähnlich viele Zwischenlager gibt es für schwach- und mittelradioaktive Abfälle und es werden mehr. An fast allen AKW-Standorten werden Zwischenlager für Abrissabfälle errichtet. Mehr über Bauweisen, Standorte und Belegung, das Brunsbüttel-Urteil, die zeitliche Dimension, sowie die Umstrukturierungen im Zwischenlagerbereich.

Endlagerpolitik in Deutschland

Die Bilanz nach 50 Jahren Endlagerpolitik in Deutschland fällt nüchtern aus: Zwei havarierte Salzstöcke, ein dritter, der seit 40 Jahren heftig umstritten und geologisch ungeeignet ist und ein genehmigtes Erzbergwerk, dessen Umbau zu einem Atommülllager erhebliche Probleme mit sich bringt. Bei der Wismut in Sachsen und Thüringen werden die Halden und Absetzbecken einfach als oberflächennahe, dauerhafte Abfalllager für radioaktiven Schrott und Bauschutt genutzt. Mehr zu den Endlagerprojekten, Sicherheitsanforderungen und der Rechtsentwicklung im Endlagerbereich.

(Atom-)Kommissionen der Bundesregierung

Das Bundesumweltministerium lässt sich in der Atompolitik von einer Vielzahl von ständigen Kommissionen beraten. Dazu kommen zeitlich befristete Kommissionen, die an die Bundesregierung oder den Bundestag angebunden waren. Mehr zu Zusammensetzung, Aufgaben und Ergebnissen.

Atomaufsicht

Die Bundesländer genehmigen Errichtung, Betrieb und Abriss der kerntechnischen Anlagen und führen im Auftrag des Bundes Aufsicht darüber. Der Bund kann aber Weisungen erteilen, denen die Länder folgen müssen. Mehr zu den Zuständigkeiten, atomaufsichtlichen Weisungen und Urteilen des Bundesverfassungsgerichts.